Die Altersarmut in Deutschland

18. August 2011

Gesellschaft

Armut im AlterExperten warnen schon lange davor: In den nächsten Jahren ist in Deutschland damit zu rechnen, dass immer mehr Menschen von Altersarmut betroffen sein werden. Altersarmut bedeutet, dass die Renten so gering sind, dass sie kaum noch zum Allernötigsten ausreichen, Extras sind völlig ausgeschlossen. Alte Menschen mit zu geringer Versorgung haben damit nicht mehr die Möglichkeit, am sozialen Leben teilzunehmen, manchen droht sogar eine Unterversorgung bei Ernährung und Hygiene.

Viele Rentner müssen trotz Rente arbeiten

Wenn auch die Zahlen für Rentner mit zu wenig Einkommen im Monat derzeit noch gering sind, zeigt sich bereits an den vor kurzem veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes eine stetige Zunahme in den letzten Jahren. Danach arbeiteten 2010 660.000 Rentner in Minijobs, um die Rente aufzustocken. Innerhalb von zehn Jahren stieg diese Zahl um fast 250.000 an. Das Arbeitsministerium beschwichtigte die von Sozialverbänden geäußerten Besorgnisse. Die Rentner arbeiteten nur deshalb, weil sie auch im Alter noch etwas zu tun haben und sich nützlich fühlen möchten. Die Zahl der Rentner, die eine Zusatzversorgung beantragt hätten, sei sehr gering. Nur 400.000 bekämen eine staatliche Unterstützung, das seien lediglich 2,4 Prozent. Dem widersprechen die Sozialverbände und gehen davon aus, dass viele Rentner aus Scham oder in Unkenntnis ihrer Rechte auf eine Aufstockung verzichten würden.

Altersarmut betrifft vor allem Frauen und Geringverdiener

Von sehr niedrigen Renten mit der daraus folgenden Altersarmut sind vor allem Frauen betroffen, die wenig gearbeitet und dafür Kinder erzogen oder Familienmitglieder gepflegt haben. Aber auch die steigende Zahl der Menschen, die lange Zeit arbeitslos waren oder im Niedriglohnsektor gearbeitet haben, erwerben oftmals zu geringe Rentenansprüche, um im Alter finanziell abgesichert zu sein. Ihnen ist eine zusätzliche Sicherung für das Alter während der Arbeitszeit nicht möglich, da das Einkommen auch so schon kaum zum Leben reicht. Die umstrittene Riester-Rente hilft letztlich auch nicht viel weiter, da die angesparten Beträge nach Erreichen der Altersgrenze mit den Aufstockungsbeträgen verrechnet werden. Von Altersarmut betroffen sind außerdem viele Selbstständige, die es versäumt haben, für das Alter rechtzeitig vorzusorgen.

Das Rentenniveau sinkt

Das Arbeitsministerium geht davon aus, dass sich das durchschnittliche Einkommen bis zum Jahr 2025 um über 50 Prozent erhöhen wird, die Renten werden allerdings im gleichen Zeitraum nur um ungefähr 43 Prozent steigen. Damit können Preisanstiege bei Lebensmitteln, Energie oder Wohnraum von Rentnern ohne zusätzliche Alterseinkünfte kaum noch aufgefangen werden. Da gerade ältere Menschen oft nur noch eingeschränkt beweglich sind, sind sie auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, deren Preise unentwegt ansteigen. Auch Kosten für Gesundheit wie Medikamente oder hygienische Versorgung schlagen bei Rentnern besonders stark zu Buche. Finanzielle Sorgen auch im Rentenalter sind damit vorprogrammiert.

Zuschussrente für Geringverdiener geplant

Die Arbeitsministerin Ursula von der Leyen stellte nun ihre Pläne für eine Verhinderung von Altersarmut vor. So sollen Geringverdiener, die trotz jahrelanger Arbeit und Einzahlung in die Rentenkassen keine ausreichende Altersrente erreichen konnten, ab 2013 eine Zuschussrente erhalten, mit der die Grundsicherung von 850 Euro pro Monat sichergestellt wird. Vor allem Frauen, die Kinder erzogen oder Familienangehörige gepflegt haben, sollen hiervon profitieren. Voraussetzung dafür soll jedoch eine zusätzliche private Vorsorge für das Alter sein.

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